30. Juni 2026

von Dr. Janina Messerschmidt

Bürgerenergiegenossenschaften vorgestellt: Die TKS Energiewerk eG iG

Interview mit Detlef Fiehler

Kurzbeschreibung der TKS Energiewerk eG iG

Projekte: Aktuell 1 PV-Dachanlage in Planung

Region: Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf

Stärkung der Demokratie

Veranstaltung von Energiemessen

Verwendung von europäischen Komponenten

Entstehung und Motivation

Stell dich kurz vor: Wer bist du, und wie kamst du zur Genossenschaft?

Ich bin Detlef Fiehler und lebe seit 23 Jahren in Kleinmachnow. Mein beruflicher Weg hat mich früh in die genossenschaftliche Welt geführt, die mich bis heute begeistert. Besonders geprägt hat mich die Mitgründung der Ökobank und später mein Engagement für die Bürgerwerke sowie die Gründung der TKS Energiewerk eG iG im Mai 2026. Politisch engagiere ich mich als sachkundiger Bürger bei den Grünen im Bau- und Finanzausschuss sowie in den Landesarbeitsgemeinschaften Energie, Wirtschaft und Finanzen. Was mich antreibt, ist die Idee, gemeinsam mit anderen nachhaltige und solidarische Lösungen zu schaffen.

Wie ist die Genossenschaft entstanden? Was war der erste Impuls – gab es einen bestimmten Moment, eine Situation oder eine Frustration, aus der heraus die Idee wuchs?

Die Idee zur TKS Energiewerk eG iG ist aus mehreren Impulsen gewachsen. In Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf gibt es viele gemeinsame Themen, und irgendwann wurde klar: Wenn wir unsere Kräfte bündeln, können wir im Bereich Energie mehr bewegen als jede Kommune für sich allein. Ein wichtiger Auslöser war auch die Frage, wie wir konkrete Projekte wie eine Photovoltaikanlage umsetzen können, obwohl den Gemeinden dafür oft das Geld fehlt. Aus dieser Überlegung heraus ist die Genossenschaft entstanden – mit dem Gedanken, Bürgerinnen und Bürger, aber auch Institutionen wie Kommunen und Unternehmen einzubinden. Der Genossenschaftsanteil liegt bewusst bei 100 Euro, damit der Einstieg niedrigschwellig bleibt. Besonders schön ist für mich, dass wir mit 19 Gründungsmitgliedern gestartet sind und von Anfang an unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven zusammengekommen sind. So entsteht etwas, das wirklich gemeinsam getragen wird.

Unsere Genossenschaft

Wer ist die TKS Energiewerk eG iG ganz konkret? Was teilt ihr?

Die TKS Energiewerk eG iG ist eine Genossenschaft aus Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf, die sich ganz konkret mit der Energiewende vor Ort beschäftigt. Im Aufsichtsrat engagieren sich Klaus Lübke, Gunnar Schilling, Axel Fink, Hanno Zulla und Andrea Schwarzkopf. Im Vorstand arbeiten Bernd Hellig, Jörg Knebel, Torben Weidemann, Joram Deckert und ich zusammen. In beiden Gremien kommt viel fachliche Erfahrung zusammen – von Energieanwälten bis zu Projektierern. Diese Expertise ist für uns sehr wertvoll, deshalb wollen wir zusätzlich auch einen Fachbeirat aufbauen. Besonders schön ist, dass das Interesse groß ist: Schon 60 Menschen haben sich auf die Warteliste für Neumitglieder eingetragen.

Gemeinsam teilen wir vor allem ein Ziel: die Energieversorgung in der Region praktisch und gemeinschaftlich weiterzuentwickeln. Ein erster Schwerpunkt ist das Thema Photovoltaik auf Dächern – zunächst auf kommunalen, später auch auf gewerblichen Gebäuden. Daneben spielt Wärme eine große Rolle: Die kommunale Wärmeplanung für alle drei Gemeinden wurde bereits gemeinsam angestoßen, und perspektivisch denken wir über Kalte-Nahwärmenetze nach.

Warum eine Genossenschaft – und nicht ein Verein, eine GmbH oder etwas anderes? Was hat überzeugt?

Für mich kam im Grunde keine andere Rechtsform infrage. Die Genossenschaft ist für mich ein echtes Demokratisierungsinstrument. Sie verbindet wirtschaftliches Handeln mit Beteiligung, Selbstwirksamkeit und Gerechtigkeit. Gerade das Prinzip „ein Mitglied, eine Stimme“ überzeugt mich, weil es nicht um Macht oder Kapital geht, sondern um gemeinsames Gestalten. Was mich an dieser Rechtsform besonders anspricht, ist die Partizipation: Menschen können sich einbringen, mitentscheiden und gleichzeitig ganz konkret etwas bewegen. Genau das macht die Genossenschaft für mich so stark – sie ist nicht nur eine Organisationsform, sondern eine Haltung.

Was war bisher die größte Herausforderung?

Die größten Herausforderungen lagen für uns nicht in äußeren Barrieren oder grundsätzlichem Widerstand, sondern eher in der Frage, wie wir die Menschen finden, die die praktische Arbeit mittragen und voranbringen. Finanzkapital war dabei nicht das Hauptthema, und auch stille Mitglieder sind grundsätzlich kein Problem. Insgesamt war es für uns weniger ein Kampf gegen große Hürden als vielmehr die Aufgabe, engagierte Menschen zu gewinnen, die sich aktiv einbringen und die Genossenschaft mit Leben füllen.

Die größte Herausforderung kommt noch auf uns zu: die politische Lage und das regulatorische Umfeld.

Was die Genossenschaft macht

Was macht die Genossenschaft ganz konkret? Ein Projekt von der Idee bis zur Umsetzung

Unser erstes Projekt ist eine PV-Dachanlage auf einem Kinderhort neben einer Grundschule – ein guter Start, weil es zeigt, wie konkret und alltagsnah gemeinschaftliche Energielösungen sein können. Dort planen wir zwei PV-Anlagen auf dem Dach: eine kleinere Anlage mit 11 kWp für den Eigenverbrauch, integrieren werden wir einen 6,3 kW-Speicher; und eine größere Anlage mit 40,2 kWp zur Einspeisung. Die Anlage wird als Ost-West-Anlage ausgeführt, damit wir die Dachfläche besonders sinnvoll nutzen und über den Tag hinweg möglichst gleichmäßig Strom erzeugen.

Für uns geht es dabei nicht nur um Technik, sondern auch um das Zusammenspiel mit dem Standort. Das benachbarte Schulgebäude soll energetisch saniert werden, unter anderem mit einer Wärmepumpe. In diesem Zusammenhang denken wir auch über Energy Sharing oder eine Ladesäule nach. Wichtig ist uns, dass die Energie vor Ort sinnvoll miteinander verbunden wird. Ein weiterer spannender Aspekt ist das pädagogische Konzept, das wir gemeinsam mit dem Hort entwickeln wollen. So wird das Projekt nicht nur ein Beitrag zur Energiewende, sondern auch ein ganz konkretes Lernfeld für Kinder und Mitarbeitende vor Ort.

Was sind weitere Projekte, die ihr gerne umsetzen möchtet?

Ein spannendes Projekt wäre zum Beispiel der Bauhof mit einer großen PV-Anlage von rund 300 kWp. Das wäre ein starkes Signal und hätte gleichzeitig eine sehr praktische Wirkung vor Ort. Außerdem ist hier das Thema Mobilität interessant: E-Fahrzeuge sind am Bauhof bisher kaum im Einsatz, aber wir sind dran. Und auch im Wärmebereich sehen wir noch Entwicklungspotenzial. Aktuell wird dort leider noch mit Holzschnitzeln geheizt, aber gerade hier gibt es mit Blick auf die kommunale Wärmeplanung sicher noch gute Möglichkeiten für die Zukunft. Insgesamt geht es uns darum, Schritt für Schritt weitere konkrete Projekte anzustoßen, die die Energiewende in der Region sichtbar und alltagstauglich machen.


Wer profitiert von Eurer Arbeit – und in welcher Form? Wer bekommt was zurück?

Von unserer Arbeit profitieren viele ganz unmittelbar: vor allem die Menschen und Betriebe vor Ort, die an der Umsetzung beteiligt sind. Dazu gehören zum Beispiel Gerüstbauer, Solateure, Elektriker und Dachdecker – also die gesamte lokale Wertschöpfungskette. Uns ist wichtig, dass möglichst viel von dem, was wir anstoßen, auch in der Region bleibt. Zurück bekommen die Menschen aber nicht nur wirtschaftliche Impulse, sondern auch konkrete Teilhabe und Nutzen im Alltag. Für unsere Genoss*innen sind zum Beispiel Einkaufsgemeinschaften denkbar – quasi eine Art „Tupperparty“, nur eben für Energie. Auch die Hortkinder profitieren, wenn wir unser pädagogisches Konzept weiterentwickeln und Energiewende greifbar machen. Und schließlich profitiert die Umwelt, ganz konkret das Klima, welches sich durch unsere fossilfreien Projekte verbessern wird.

Darüber hinaus denken wir bewusst europäisch, gerade bei technologischen Komponenten und Infrastruktur, etwa mit Blick auf Datensicherheit. Und wir wollen uns auch dort einbringen, wo Gemeinschaft im Ernstfall wichtig wird – zum Beispiel als Pate für Leuchttürme in Krisensituationen, damit lokale Strukturen auch bei Stromausfällen handlungsfähig bleiben.

Warum mitmachen?

Wer sind eure Mitglieder?

Unsere Mitglieder sind bisher vor allem politisch bewusste und an Energiefragen interessierte Menschen, die sich mit dem Thema schon gut auskennen. Oft sind sie eher Ü50 und derzeit noch überwiegend Männer. Genau deshalb ist es uns wichtig, unsere Ansprache zu erweitern – zum Beispiel über Öffentlichkeitsarbeit, über Schulen und über weitere Formate, die neue Menschen erreichen. Wir möchten die Genossenschaft so aufstellen, dass sich auch jüngere Menschen, Frauen und bisher weniger eingebundene Zielgruppen stärker angesprochen fühlen.

Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, Mitglied zu werden – warum lohnt es sich?

Ich würde sagen: Es lohnt sich, weil man damit ganz konkret etwas zur Energiewende beiträgt und gleichzeitig Selbstwirksamkeit erlebt. Als Mitglied ist man nicht nur dabei, sondern kann mitgestalten, sich einbringen und Teil einer Gemeinschaft werden, die etwas vor Ort bewegt. Hinzu kommt der Austausch mit ganz unterschiedlichen Menschen – mit neuen Perspektiven, Erfahrungen und Ideen. Genau das macht die Genossenschaft für mich so wertvoll: Sie verbindet gesellschaftliches Engagement, politische Auseinandersetzung und echten Zusammenhalt.

Mitglied werden

Wer Lust hat, Mitglied zu werden, kann uns jederzeit per Mail erreichen:
info@tks-energiewerk.de

Was würdest Du einer Bürgermeisterin oder einem Bürgermeister sagen, die/der überlegt, ob eine Partnerschaft mit eurer Genossenschaft sinnvoll ist?

Ich würde sagen: Eine Partnerschaft kann gerade jetzt sehr sinnvoll sein, weil Kommunen finanziell unter Druck stehen und es oft schwer ist, Projekte allein zu stemmen. Über die Genossenschaft können Sie Menschen erreichen, die bereit sind, vor Ort etwas Sinnvolles zu unterstützen — nicht unbedingt als direkte Spende an die Kommune, aber sehr wohl für eine gute, konkrete Idee in der Genossenschaft.

Besonders interessant ist das dort, wo sich Maßnahmen verbinden lassen, zum Beispiel bei PV-Anlagen inklusive notwendiger Dachsanierung. So entsteht aus einer Belastung eine gemeinsame Lösung. Und wenn die Kommune selbst Mitglied wird, setzt sie außerdem ein starkes Vorbild für Bürgerinnen und Bürger: Wir machen das gemeinsam, und wir zeigen, dass Beteiligung vor Ort wirklich etwas bewegen kann.

Was erleben Mitglieder in den ersten Wochen oder Monaten nach dem Beitritt – gibt es einen Moment, wo sie merken: Das war eine gute Entscheidung?

Viele Mitglieder merken schon in den ersten Wochen oder Monaten, dass der Beitritt mehr ist als nur eine formale Entscheidung. Ein guter Moment ist oft, wenn sie merken: Ich bin nicht nur dabei, sondern kann mich wirklich einbringen und etwas mitgestalten. Das Gemeinschaftsgefühl entsteht vor allem über den Austausch – sei es bei Besuchen an unseren eigenen Anlagen, bei gemeinsamen Terminen oder wenn man andere Engagierte kennenlernt. Wir möchten deshalb neue Mitglieder möglichst direkt mitnehmen, zum Beispiel über einen monatlichen Termin für Neumitglieder an unseren Anlagen. Dazu kommen Formate wie der Leuchtturm oder gemeinsame Projekte wie an der Schule, bei denen man konkret mitwirken kann. Auch unsere Energiemesse in Kleinmachnow ist dafür ein gutes Beispiel: Dort kommen Solateure und Privatmenschen zusammen, zeigen ihre PV-Anlagen und tauschen ganz praktisch ihre Erfahrungen aus – und genau das gibt es schon im dritten Jahr zusammen mit der Lokalen Agenda und der Gemeinde.

Welche Rolle spielen Bürgerenergiegenossenschaften Deiner Meinung nach für das Gelingen der Energiewende – was können sie, was große Energieversorger nicht können?

Bürgerenergiegenossenschaften können die Energiewende dorthin bringen, wo sie wirklich stattfindet: in die Köpfe, in die Regionen und in den Alltag der Menschen. Durch Selbstwirksamkeit im wirtschaftlichen Tun, wird es zu einer echten Energiewende vor Ort, weil die Energiewende nicht von oben übergestülpt wird, sondern weil Menschen selbst gestalten und entscheiden können. Was sie besonders macht, ist die Regionalität: Sie schaffen lokale Wertschöpfung und stärken die Netzstabilität, weil Energie dort erzeugt und genutzt wird, wo die Menschen leben.

Was wünschst Du dir für die Zukunft – für Deine Genossenschaft und für die Bürgerenergie-Bewegung insgesamt?

Ich wünsche mir für die Zukunft vor allem mehr Sicherheit in Planung und Gesetzgebung. Ruhigeres Fahrwasser, klare Rahmenbedingungen und echte Freiräume würden es uns und vielen anderen ermöglichen, langfristiger und nachhaltiger zu agieren. Zudem wünsche ich mir einen wertschätzenderen Umgang mit gesellschaftlichem Engagement. Die Akteursvielfalt, die im Gesetz verankert ist, sollte auch tatsächlich gelebt werden. Nur so kann die Bürgerenergiebewegung ihr volles Potenzial entfalten und die Energiewende gemeinsam mit vielen verschiedenen Akteuren voranbringen, und das über alle politischen Grenzen hinweg.

Gibt es etwas, das Du uns noch sagen möchtest – etwas, das wir nicht gefragt haben, das aber wichtig wäre zu wissen?

Ja, ein Punkt ist mir noch wichtig: Die Vernetzung der Genossenschaften untereinander ist entscheidend. Vorstandsarbeit muss darauf abzielen, Kompetenzen zu teilen und voneinander zu lernen. Außerdem gilt für uns: Tue Gutes und rede darüber. Nur wenn wir über unsere Arbeit und Erfolge sprechen, schaffen wir mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz für gemeinschaftliche Energielösungen.

Danke für das Gespräch!

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