Interview mit Andreas Wolf

30 Juni 2026

von Dr. Janina Messerschmidt

Bürgerenergiegenossenschaften vorgestellt: Die Beetzseeheide eG

Interview mit Andreas Wolf

Kurzbeschreibung der Beetzseeheide eG

Projekte: Aktuell 1 PV-Dachanlage

Region: Beetzsee

Echte Teilhabe

Breite Basis: Jüngstes Mitglied ist vier Jahre, das älteste Mitglied 70 Jahre

Selbstbau

Entstehung und Motivation

Stell dich kurz vor: Wer bist du, und wie kamst du zur Genossenschaft?

Ich bin Andreas Wolf, 48 Jahre alt, habe drei Kinder und lebe seit zehn Jahren im Ort – aufgewachsen bin ich in einem Dorf zwei Orte weiter. Ich sitze in der Gemeindevertretung und bin Ortsvorsteher, gebe dieses Amt zum 1. Juli jedoch ab, da mir das Engagement insgesamt zu umfangreich geworden ist.

Wie ist die Genossenschaft entstanden? Was war der erste Impuls – gab es einen bestimmten Moment, eine Situation oder eine Frustration, aus der heraus die Idee wuchs?

Unsere Gemeinde Beetzseeheide liegt im Amt Beetzsee, benannt nach dem nahegelegenen See. Vor eineinhalb Jahren haben wir drei uns zusammengesetzt, um die Idee einer eigenen Energiegenossenschaft voranzutreiben: Bürgermeister Dirk Lange, Alexander Gorecki und ich. Beraten hat uns dabei die Rehfelder EigenEnergie eG (REE) – bei einem Besuch vor Ort in Rehfelde haben wir uns auch die Bürgerwindräder und den zum Genossenschaftssitz umgebauten Bahnhof angeschaut, was uns wichtige Impulse für unseren eigenen Weg gegeben hat.

Mit 38 Gründungsmitgliedern sind wir gestartet, inzwischen sind wir 48 Mitglieder. Den Gründungsprozess – von der Erarbeitung der Satzung über die Begleitung durch den Genossenschaftsverband bis zur Gründungsversammlung am 10. September 2025 – haben wir als intensiv und lehrreich zugleich erlebt. Seit Februar 2026 sind wir offiziell eingetragen.

Unsere Genossenschaft

Wer ist die Beetzseeheide eG ganz konkret? Was teilt ihr?

Unser Vorstand besteht aus vier Personen: René Stahl, Rolf Kolasch, Philipp Werdin und ich. Hinzu kommen drei Aufsichtsratsmitglieder: Alexander Gorecki, Dirk Lange und Iven Niezijewski. Auch unsere Gemeinde selbst ist Mitglied der Genossenschaft. Ein Genossenschaftsanteil beträgt 500 Euro. Satzungsgemäß verfolgen wir das Ziel, Bürger*innen aktiv an der Energiewende zu beteiligen – durch den Bau eigener Anlagen, den Verkauf selbst erzeugten PV-Stroms sowie die Beratung unserer Mitglieder.

Bewusst schlank und lokal: Wir arbeiten so kostengünstig wie möglich, um eine breite Teilhabe zu ermöglichen – auf eine eigene Webseite verzichten wir deshalb bislang. Außerdem setzen wir konsequent auf lokale Wertschöpfung: Unsere Anlagen bauen wir vor Ort, dabei binden wir Handwerksbetriebe aus der Region ein. Aber auch Anfragen aus Nachbargemeinden sind uns willkommen.

Den Anfang machen wir mit PV-Dachanlagen; alles Weitere wird sich zeigen. Wir streben eine neue Anlage pro Jahr an. Private Hausdächer kommen für uns nicht infrage – denkbar wären jedoch Kooperationen mit Agrargenossenschaften.

Warum eine Genossenschaft – und nicht ein Verein, eine GmbH oder etwas anderes? Was hat überzeugt?

Den Anstoß zur Rechtsform der Genossenschaft gab Dirk Lange – überzeugt vom genossenschaftlichen Gemeinschaftsgedanken: Hier kann grundsätzlich jede und jeder mitmachen.

Was war bisher die größte Herausforderung?

Als größte Herausforderung sehe ich neben der Gründung (Satzung, Businessplan, etc. aufstellen), dass unsere erste PV-Anlage auf einer alten Schrotmühle zwischen Dorfkirche und Gutshaus installiert wird und wir uns hierfür eine denkmalrechtliche Erlaubnis einholen und den Denkmalschutz bei der Planung berücksichtigen mussten.

Was die Genossenschaft macht

Was macht die Genossenschaft ganz konkret? Ein Projekt von der Idee bis zur Umsetzung

Aktuell bauen wir eine Volleinspeiseanlage im Ortsteil Ketzür – auf dem Dach der ehemaligen Schrotmühle, einem backsteinernen Wirtschaftsgebäude, dessen Dach 2024 bereits mit Trapezblech saniert wurde. Im Juni 2026 wollen wir 200 Module mit einer Gesamtleistung von rund 90 kWp installieren. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, setzen wir besondere, vollständig schwarze Module ein. Finanziert ohne Kredit: Wir finanzieren das Projekt komplett aus unseren Mitgliedsbeiträgen – ganz ohne Fremdkapital.

Weitere Projekte sind für uns vorerst zweitrangig: Zunächst wollen wir die laufende Anlage erfolgreich abschließen. Perspektivisch sehen wir aber Potenzial in unseren drei Mietshäusern, teils mit neuen Dächern – Mieterstrom oder Energy Sharing wären für uns denkbare nächste Schritte.

Warum mitmachen?

Wer sind eure Mitglieder?

Unsere Mitgliederbasis ist breit aufgestellt – es ist uns gelungen, wirklich alle Generationen mitzunehmen. Unser jüngstes Mitglied ist vier Jahre alt, unser ältestes 70 Jahre.

Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, Mitglied zu werden – warum lohnt es sich?

Teilhabe entsteht nicht von allein – wer sie will, muss aktiv werden.

Mitglied werden

Wer Lust hat, Mitglied zu werden, kann uns jederzeit per Mail erreichen:
genossenschaft@gortz.eu.

Bei uns gibt es immer etwas zu tun – nicht nur bei Planung und Bau der Anlagen, sondern auch bei der Öffentlichkeitsarbeit. Ein Logo zum Beispiel fehlt uns noch: Wer Lust und Ideen hat, ist herzlich willkommen.

Danke für das Gespräch!

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