27. Februar 2026

von Dr. Janina Messerschmidt

Interview mit Nicole Kukuk

Projekt: Genossenschaftsmitglied werden

Kurzbeschreibung des Projekts

Projektart: PV-Dachanlagen auf kommunalen Gebäuden

Standort/Kommune: Amt Märkische Schweiz, Brandenburg

Das konkrete Projekt ist das Vorhaben des Amtes Märkische Schweiz, Mitglied bei der Rehfelder Eigenenergie eG (REE) zu werden. Die Beschlussvorlage hierzu wird gerade erarbeitet. Die Mitgliedschaft soll dem Amt ermöglichen, kommunale Dächer mit PV-Anlagen belegen zu können, ohne eigenes Kapital und Know-How vorhalten zu müssen.

Entstehung der Kooperation

Wie kam der erste Kontakt zustande?

Das Amt und die REE kennen sich schon seit Langem – man begegnet sich regelmäßig, schließlich ist die REE ein wichtiger Akteur in der Region. Sie betreibt zwei Windräder und ist als Anlagenbetreiberin gut bekannt. Ich selbst habe im Juli 2025 im Amt meine Arbeit aufgenommen und kurz darauf den Kontakt zur REE aufgebaut. Dieser Austausch hat sich zunehmend intensiviert, insbesondere weil von Seiten der Bürgerinnen und Bürger der Wunsch laut wurde, die Dächer der kommunalen Gebäude mit Photovoltaikanlagen auszustatten.

Warum fiel die Wahl auf eine Bürgerenergiegenossenschaft?

Das Amt hat sich bewusst für die REE als Partner entschieden, weil uns wichtig ist, dass die regionale Wertschöpfung in unserer Gemeinde bleibt. Mit der REE arbeiten wir mit einem verlässlichen Partner zusammen, den wir schon lange kennen und dem wir vertrauen. Besonders positiv ist auch, dass sich unsere Bürgerinnen und Bürger als Genossenschaftsmitglieder selbst einbringen können – echte Bürgerbeteiligung also.

Das notwendige Fachwissen zur Umsetzung solcher Projekte liegt nicht in der Verwaltung, dafür bringt die REE das entsprechende Know-how mit. Gleichzeitig sparen wir Investitionskosten und organisatorischen Aufwand. So können wir als Kommune aktiv Teil der Energiewende werden, ohne über eigenes Kapital verfügen zu müssen.

Gab es Alternativen (profitorientierte Entwickler) und warum wurden sie nicht gewählt?

Es gibt keine andere Bürgerenergiegenossenschaft im Amtsgebiet, der wir hätten beitreten können – daher war die Entscheidung naheliegend. Wichtig war uns bei der Mitgliedschaft vor allem die starke regionale Verankerung, die gewachsene Vertrauensbasis und die gemeinsame Zielsetzung.

Regionale Wertschöpfung

verlässliche Partnerschaft

Bürgerbeteiligung

Know-How-Transfer

Kapitalersparnis

gemeinsame Ziele

Prozessverlauf vom ersten Gespräch bis zum Betrieb der PV-Anlage

Wie ist die Idee für das Projekt entstanden?

Von vielen Bürgerinnen und Bürgern kam der Wunsch, die Dächer unserer kommunalen Gebäude mit Photovoltaikanlagen auszustatten. Da die REE als regionaler Akteur bereits bekannt und etabliert ist, lag es nahe, mit ihr über eine mögliche Zusammenarbeit ins Gespräch zu kommen.

Welche politischen Schritte / Verwaltungsprozesse waren notwendig, um das Projekt umzusetzen?

Eine wichtige Voraussetzung ist, dass die Vorgesetzten Offenheit und Akzeptanz gegenüber Bürgerenergiegenossenschaften und erneuerbaren Energien mitbringen – sonst kommt man in diesem Bereich schlicht nicht weiter. Im Amt war diese Haltung von Anfang an vorhanden, was den gesamten Prozess deutlich erleichtert hat. Nach den ersten Gesprächen und der klaren Bereitschaft zur Zusammenarbeit wurde eine entsprechende Beschlussvorlage erarbeitet, die sich derzeit in der Abstimmung befindet. Anschließend befasst sich der Amtsausschuss damit; die finanzielle Auswirkung ist mit einem Mitgliedsbeitrag von 250 Euro überschaubar. Die eigentliche Arbeit beginnt danach – mit der detaillierten Planung, der Priorisierung der Gebäude und der Entscheidung über das passende Betriebsmodell.

Wie lief die Planungsphase ab?

Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Nach dem Beschluss folgt die detaillierte Planung, in der über die Priorisierung der Dächer und das passende Betriebsmodell entschieden wird.

Wie wurde das Projekt finanziert? Wie sieht die Bürgerbeteiligung aus?

Ab dem Zeitpunkt des Beschlusses ist gezielte Öffentlichkeitsarbeit geplant – wir möchten das Thema nutzen, um unser Amt als aktiven Akteur in der Energiewende zu positionieren. Bereits jetzt gibt es einen Runden Tisch zum Thema Windenergie. Denkbar sind außerdem eine gemeinsame Infoveranstaltung mit der Bürgerenergiegenossenschaft, ein eigener Bereich auf unserer Homepage sowie regelmäßige Newsbeiträge, um die Öffentlichkeit kontinuierlich zu informieren.

Wie war die Rollenverteilung zwischen Kommune und Genossenschaft?

Das Amt ist Vertragspartnerin auf Augenhöhe. Sie stellt als Eigentümerin der Flächen die Dächer zur Verfügung und übernimmt die Rolle der Initiatorin des Projekts.

Die REE ist ebenfalls Vertragspartnerin auf Augenhöhe. Sie bringt das notwendige fachliche Know-how und die finanziellen Mittel ein und ist verantwortlich für die Projektentwicklung sowie den späteren Betrieb der Anlagen.

Zusammenarbeit mit der Energiegenossenschaft – Qualität und Besonderheiten

Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit der Energiegenossenschaft beschreiben?

In meiner täglichen Arbeit habe ich meist mit Investoren zu tun – umso deutlicher spüre ich den Unterschied in der Zusammenarbeit mit Bürgerenergiegenossenschaften. Dort sitze ich mit Gleichgesinnten an einem Tisch, wir verfolgen dasselbe Ziel. Die Zusammenarbeit ist offen, professionell – entgegen dem verbreiteten Irrglauben, dass es anders sein könnte – und sie macht einfach Spaß, weil wir gemeinsam am gleichen Ziel arbeiten. Es ist eine echte Kooperation auf Augenhöhe.

Was lief in der Zusammenarbeit mit der Genossenschaft besser als mit profitorientierten Unternehmen?

Meine Erfahrung zeigt, dass große Unternehmen oft noch stärker eingeschränkt sind als wir als Kommune. Bürgerenergiegenossenschaften dagegen agieren deutlich flexibler und zielorientierter. Während große, profitorientierte Unternehmen meist ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolgen, teilen die BEGs mit uns gemeinsame Ziele – die Umsetzung der Energiewende und die Sicherung der regionalen Wertschöpfung.

Gab es konkrete Situationen, in denen sich die genossenschaftliche Struktur besonders bewährt hat?

Ein großer Vorteil der genossenschaftlichen Struktur ist, dass wir als Kommune durch unsere Mitgliedschaft in der Genossenschaft keine Ausschreibung durchführen müssen. Das vereinfacht den gesamten Prozess erheblich und ermöglicht eine direkte, unkomplizierte Zusammenarbeit.

Herausforderungen und Lösungen

Was waren die wichtigsten Herausforderungen?

Zu Beginn gab es einige Unsicherheiten. Der größte Konflikt entstand durch falsche Informationen zur Möglichkeit einer kommunalen Mitgliedschaft in der Bürgerenergiegenossenschaft – die Klärung dieses Punktes hat etwas länger gedauert. Zudem bestand anfangs Unklarheit darüber, ob bei der Beauftragung einer BEG eine Ausschreibungspflicht für die Kommune besteht.

Wie wurden diese gelöst?

Die Frage zur möglichen Mitgliedschaft konnte durch die Informationen der AG Erneuerbare Energien der Dorfbewegung e. V. geklärt werden.

Bei der Klärung der Ausschreibungsfrage war der Leitfaden des Bündnis Bürgerenergie (BBEn) eine große Hilfe – wirklich super hilfreich! (Leitfaden „PV auf kommunalen Dächern“)

Wirkung für Kommune und Bürger

Hat das Projekt weitere Aktivitäten oder Folgeprojekte angestoßen?

Wir können uns gut vorstellen, bei neuen Projekten wie bspw PV-FFA mit der REE zusammenzuarbeiten, um eine bessere Bürgerbeteiligung und dadurch höhere Akzeptanz herbeizuführen.

Wie wirkt sich die genossenschaftliche Struktur auf den Umgang mit Bürger*innen und Kritik aus?

Die genossenschaftliche Struktur wirkt sich sehr positiv auf den Umgang mit Bürgerinnen und Bürgern aus. Bürgerenergiegenossenschaften schaffen echte Beteiligungsmöglichkeiten und sorgen dafür, dass die regionale Wertschöpfung vor Ort bleibt. Dadurch entsteht mehr Verständnis und Akzeptanz – Kritik wird offener aufgenommen, weil die Menschen selbst Teil des Projekts sein können.

Welche Empfehlung können Sie an andere Kommunen geben?

Ich kann die Zusammenarbeit mit Bürgerenergiegenossenschaften nur empfehlen – sie teilen unsere Ziele, sind regional fest verankert und arbeiten sehr flexibel und partnerschaftlich.

Erfolgsfaktoren & Botschaften

Was waren aus Ihrer Sicht die 3 wichtigsten Erfolgsfaktoren für das Projekt?

  1. Zusammenarbeit auf Augenhöhe – die BEG ist ein gleichberechtigter Partner.
  2. Transparenz ist entscheidend, damit kommunalpolitische Entscheidungsträgerinnen und -träger fundierte Entscheidungen treffen können.
  3. Auf beiden Seiten braucht es Offenheit und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.

Welchen Rat würden Sie anderen Kommunen geben, die ein ähnliches Projekt planen?

Gibt es noch weitere wichtige Hinweise oder Ergänzungen, die Sie teilen möchten?

Wichtige Hilfsmittel:

Nach oben scrollen